Buchtipps

Autor: Mathildis | Datum: 21.05.2019
Mathildis

Jane Gardams Buch ist für mich bisher eines der besten Bücher des Jahres.

In neun einzelnen Geschichten über mehr als zwanzig Jahre erzählt sie vom Bauernsohn Bell und seinem aus London stammenden Freund Harry, der seine Ferien immer auf einer Farm in der Nähe von Bell verbringt. Über viele Jahre hinweg erleben die beiden Jungen gemeinsame Abenteuer und Gefahren, doch die größte Gefahr - und eine Überraschung - wartet in der letzten Geschichte.

Jane Gardam schreibt sehr bedächtig und distanziert, auf den Stil muss man sich einlassen können. Doch manche der Geschichten sind auch sehr witzig und skurril, ich musste öfters laut lachen. Genau diese Mischung macht die Qualität des Buches aus, das schon 1981 geschrieben wurde. Es entführt in eine Zeit, als Landwirtschaft noch bäuerlich geprägt war und nicht vom Profitstreben großer Konzerne bestimmt wurde, als die Menschen noch an Geister und Sagen und nicht an Fake News glaubten. Ich finde dieses Buch einfach bezaubernd, ein Wort, das mir nur selten in den Sinn kommt. Aber hier passt es!

Autor: Paul | Datum: 14.05.2019
Paul10 Stunden tot

Viel Krimi mit Spannung!

Viel zu lesen, viel zu merken, viele Personen und viele Handlungsstränge, das ist hier, gleich zu Beginn, die Zusammenfassung.

Fabian Risk ermittelt mit seinen Kollegen und Kolleginnen in einem sehr außergewöhnlichen Fall. Das Außergewöhnliche ist, dass der Mörder seine Morde mit Hilfe verschiedener Würfel plant, nach deren Würfelergebnis er sich bei seinen Morden richtet. Das weiß aber nur der Leser und ist damit gewissermaßen gegenüber Risk im Vorteil. Für Risk und seine Kollegen/innen ergibt sich kein System oder auch nur der Schimmer eines Motivs.

Viele verschiedene Handlungsstränge, viele Namen stellen hohe Ansprüche an den Leser. Da sind zum Beispiel private Schwierigkeiten bei Risk und seiner Familie oder die Bedrohung einer Kollegin durch eine Nazi-Gruppe. Da ist der Tod eines Kollegen unter rätselhaften Umständen, der Verdacht gegen einen anderen Kollegen und ... Also, wie gesagt, viele Personen und viele Handlungsstränge, eigentlich Fehler, wie man sie bei Anfängern findet. Dass Anhem kein Anfänger ist, merkt man daran, dass man dennoch die Übersicht behält. Anhem hat einen spannenden Krimi geschrieben.

Autor: Paul | Datum: 08.05.2019
PaulDer Zopf meiner Großmutte

Ein Zwei-Tage-Buch!

Ja, das ist es: Ein Zwei-Tage-Buch. Das passiert manchmal, dass ich ein Buch in zwei Tagen durchlese, weil ich es zwischendurch nur sehr schlecht weglegen kann.

Der kleine Max hat es nicht leicht mit seiner Großmutter, die in für einen leicht idiotischen und kränklichen Jungen hält. Er muss angeblich vor vielen Bakterien und Viren und gefährlichen Situationen geschützt werden. Da isst die Großmutter seinen Geburtstagskuchen lieber selbst auf, weil das Essen eines Stücks Kuchen Max schaden könnte.  Der Großvater scheint bei seiner Frau unter dem Pantoffel zu stehen. Aber das scheint nur so. Jedenfalls verliebt er sich in eine andere und bald ist ein Kind unterwegs, also quasi ein Onkel von Max. Und was macht die Großmutter? Das soll hier nicht verraten werden.

Max und seine Großmutter ergänzen sich ausgezeichnet. Die Großmutter hält ihn für debil und kränklich. Darin sieht sie wohl ihre eigene Daseinsberechtigung, weil sie ihn so überzogen fürsorglich bemuttern kann. Und Max, der in Wirklichkeit vollkommen gesund und sehr intelligent ist, tut ihr den Gefallen und reagiert so, wie sie es von ihm erwartet.

Es gibt den Ausdruck, den Bogen zu überspannen. So ähnlich überspannt Alina Bronsky hier ihre Geschichte und die Dialoge. Aber es ist herrlich überspannt und sehr amüsant zu lesen.

Sie werden sehen: Es ist ein Zwei-Tage-Buch.

Autor: Mathildis | Datum: 01.05.2019
MathildisErziehung prägt Gesinnung

Wie konnte ein Sandkastenrowdy wie Donald Trump zum Präsidenten der USA aufsteigen? Warum wählen so viele Männer mittleren Alters in eigentlich gut situierter Umgebung die AFD?

Dies sind nur zwei Fragen, mit denen sich der renommierte Kindheitsexperte Herbert Renz-Polster in diesem Buch beschäftigt. Einfache Antworten wie soziale Benachteiligung, hohe Arbeitslosigkeit oder das Gefühl des abgehängt Seins greifen nicht, wenn man sieht, dass zum Beispiel in einigen Gegenden Niederbayerns mit einer hervorragenden Wirtschaftslage der Anteil der AFD-Wähler überproportional hoch war.

Renz-Polster bohrt tiefer und weist nach, dass ein autoritärer Erziehungsstil mit Gewalterfahrungen, Unterdrückung der kindlichen Triebe und starker Kontrolle die Anfälligkeit für populistische Botschaften verstärkt. So korreliert zum Beispiel in den USA das Wahlergebnis in den Staaten, in denen die Prügelstrafe nicht verboten ist und zur täglichen Erfahrung von Kindern gehört, mit einem hohen Wahlergebnis für Trump.

Das Buch ist klug geschrieben, wissenschaftlich fundiert und gut verständlich. Viele Sätze möchte man dick unterstreichen. Bessere Bildung allein, wie von vielen gefordert, wird das Problem nicht lösen. Das Schlagwort muss "bessere Erziehung" lauten: eine gewaltfreie Erziehung zu einem selbstbewussten, freien Menschen ist das beste Mittel gegen den zunehmenden Populismus und Autoritarismus. Das stimmt für Deutschland hoffnungsvoll, allerdings sieht es in anderen Ländern leider erheblich anders aus.

Ein unbedingt lesenswertes Buch!

Autor: Mathildis | Datum: 24.04.2019
MathildisMein Ostfriesland

Klaus-Peter Wolf ist bekannt geworden durch seine Ostfrieslandkrimis mit der Ermittlerin Ann Kathrin Klaassen und dem Serienmörder Dr. Sommerfeld, aber auch durch Kinderbücher, die er zusammen mit seiner Frau Bettina Göschl schreibt („Die Nordseedetektive“). Er kennt Ostfriesland wie seine Westentasche und man findet vor Ort genau die Straßen und Plätze, die in seinen Büchern vorkommen. Was liegt da näher als ein Buch über das beliebte Urlaubsland an der Nordseeküste zu schreiben?

Gemeinsam mit dem Journalisten Holger Bloem (der auch in den Romanen leibhaftig erscheint) hat Wolf nun ein Buch auf den Markt gebracht, das die Landschaft, Gebräuche und einige der Krimitatorte, aber auch Personen aus der Region und tolle Fotos vereint. Dazu gibt es Rezepte aus dem Restaurant „Smutje“ und Steckbriefe der Personen, die in den Krimis vorkommen. Das Buch ist wie ein Lesebuch locker aufgebaut, man liest es nicht von vorn bis hinten weg, sondern schmökert mal hier und mal da.

Eine witzige Zusammenstellung für alle Ostfrieslandkrimifans und Liebhaber der Nordseeküste!

Autor: Mathildis | Datum: 17.04.2019
MathildisDie Angehörigen
Gene hat seine Frau Maida verloren, mit der er lange verheiratet war und mit der er eine gemeinsame Tochter und eine Enkelin hat. Er durchlebt die üblichen Phasen der Trauer, seine Tochter hilft ihm bei der Organisation einer Trauerfeier, seine Freunde Ed und Gayle unterstützen ihn in den täglichen Belangen.
 
Als er eine Haushälterin einstellt, beginnen die beiden eine kurze Liebesbeziehung. Doch dann verlässt sie ihn und Gene zieht sich in die Einsamkeit einer Hütte am See zurück, in der er glückliche Stunden mit seiner Familie und seinen Freunden verbracht hat, und denkt über sein Leben nach. Das Ende bleibt offen.
 
In diesem Buch passiert sehr wenig, es besteht vorwiegend aus den Reflexionen Genes über seine Vergangenheit. Manchmal fand ich das Buch sehr ermüdend und langatmig. Der Stil erinnerte mich an die Bücher von Meg Wollitzer, ohne aber deren Klasse zu erreichen. Man muss sich für dieses Buch Zeit nehmen, aber es hat mich nicht ganz überzeugt.
Autor: Paul | Datum: 10.04.2019
Paul

Ein Käfig ist ein Käfig, auch wenn er golden ist.

Matilda ist Faye. Oder besser gesagt, Faye war Matilda. Matilda hat Fjällbacka verlassen und will in Stockholm studieren. Sie lässt ihre Vergangenheit hinter sich. Das wird auch dadurch deutlich, dass sie Faye als Namen benutzt. Mit dem Namen Matilda hat sie ihre Vergangenheit abgelegt. Was in der Vergangenheit passiert ist, erfahren wir erst so nach und nach in persönlichen Rückblicken.

In Stockholm lernt Faye Jack kennen. Sie hilft ihm beim Aufbau einer erfolgreichen Firma und er heiratet Faye. Die Ehe erweist sich bald als goldener Käfig. Aber der Ausbruch aus dem Käfig ist nicht so einfach, weil Faye ihrem Mann hörig ist und irgendwelche Fehler nur immer bei sich aber niemals bei ihm sucht.Damit ist der Inhalt der ersten Hälfte des Buches beschrieben. Wie es Faye dann mit Hilfe ihrer Freundin Chris und einer Leidensgenossin namens Kerstin gelingt, doch noch aus dem Käfig auszubrechen und den Spieß umzudrehen, finden wir in der zweiten Hälfte des Buches.

Camilla Läckberg schreibt flüssig und ist gut zu lesen. Die Anzahl der handelnden Personen ist gut überschaubar. Sie macht nicht den Fehler, den man oft in Romanen findet, wo man den Verdacht hat, dass die Autoren/innen die Qualität des Romans an der Anzahl der auftretenden Personen festmachen wollen. Läckberg beschreibt quasi drei Erzählstränge nebeneinander her. Die Haupterzählung ist die Gegenwart, also Fayes Ehe und die Zeit danach. Hier beschreibt Läckberg das Geschehen mit Faye in der Hauptrolle. Zwischendurch erfahren wir (durch Überschriften kenntlich gemacht) etwas über Fayes (Matildas) Vergangenheit in Fjällbacka. Hier tritt Faye als Erzählerin auf. Und eingestreut an wenigen Stellen finden wir (durch eine andere Schriftart kenntlich gemacht) kurze Hinweise in rätselhafter Form als Vorgriff auf das Ende des Buches.

Das hört sich jetzt etwas kompliziert an. Aber es ist leicht zu durchschauen und man behält immer den Überblick. Spannung bis zum Schluss bis zur überraschenden Aufklärung. Leseempfehlung!

Autor: Mathildis | Datum: 03.04.2019
Mathildis

Giulia und Anita wachsen gemeinsam in einem kleinen Ort im Piemont auf. Während Giulia zusammen mit ihrer harten Mutter in Armut lebt, findet sie bei Anitas Familie Zuwendung und Wärme. Doch dann entzweien sie sich, denn sie lieben denselben Mann und Giulia entschließt sich nach Amerika auszuwandern. Erst nach über 45 Jahren kehrt sie zurück. Da ist der Zweite Weltkrieg gerade zu Ende gegangen und Giulia kommt in ein zerstörtes Land.

Vor dem Hintergrund der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entfaltet Raffaella Romagnolo die Geschichte von zwei Familien mit allen ihren Höhen und Tiefen. Während Giulia in New York einen guten Mann findet und mit ihm zusammen eine Kette von Läden aufbaut, erlebt Anita zwei Weltkriege mit und muss um ihren Sohn und viele andere Familienangehörige trauern.

Das Buch hat mich sehr bewegt, das harte Leben der einfachen Menschen, die Niedertracht der Ausbeuter, die sich ihre Taschen vollstopfen, ohne die Not der kleinen Leute zu sehen, das Leid der Kriege, alles beschreibt Romagnolo intensiv und detailreich. Ihren Schreibstil fand ich gut lesbar, allerdings auch anspruchsvoll. Kein Buch für nebenbei, denn man muss sich bei der Vielzahl von Figuren schon konzentrieren.

Zuerst hat mich der Titel des Buches etwas befremdet, aber dann erfuhr ich, dass es sich um ein altes Lied der Partisanen im Kampf gegen den "Duce" handelt und das passt dann wieder.

Insgesamt ist dies ein Buch, das ich jedem ans Herz lege, der sich für die neuere Geschichte interessiert. Die Kombination von Historie und persönlichem Schicksal finde ich sehr gelungen und spannend, oft auch sehr berührend und niemals kitschig. Dabei ist das Buch sehr politisch und bildet ein Stück Zeitgeschichte faszinierend ab.

Autor: Paul | Datum: 27.03.2019
Paul

Überraschend interessant!

Rheinblick ohne Rheinblick! Die Kneipe von Helga Kessel hat zwar keinen Rheinblick, aber einen direkten Blick auf den Bundestag zu Bonner Zeiten. Daher ist ihre Kneipe auch ein Treffpunkt der Politiker alle Couleur. Da werden die aktuellen politischen Verhältnisse besprochen und Pläne geschmiedet. Helga hält sich dabei wohlweislich immer zurück, wenn sie um ihre Meinung gefragt wird, jedenfalls fast immer.

Die Handlung spielt zu der Zeit, als Willi Brandt zum Bundeskanzler gewählt ist. Doch er muss sich einer Operation unterziehen und darf danach einige Zeit lang nicht sprechen. Da kommt die zweite Hauptperson Sonja Engel ins Spiel. Sie soll dem neu gewählten Kanzler als Therapeutin helfen, seine Stimme wieder zu bekommen. Aber da sind noch viele weitere Personen, die sich da in Bonn ein Stelldichein geben. Da geht es um Intrigen und gebrochene Versprechen. Sogar ein Mord ist geschehen. Ob da eine Spur in politische Kreise führt?

Ich hatte mir von einem Buch zu einem politischen Thema aus Bonn nicht sehr viel versprochen, wurde aber positiv überrascht. Brigitte Glaser schafft es, viele kleine Schauplätze und viele verschiedene Gruppen und Grüppchen handelnder Personen in kurzen Kapiteln so übersichtlich darzustellen, dass man nie den Zusammenhang verlieren kann. Ich habe schon einige Bücher gelesen, bei denen weniger Personen auftraten und ein heilloses Wirrwarr entstand, das einen nicht durchblicken ließ. Immer wieder musste ich dann zurückblättern, um den Zusammenhang wiederzufinden.Hier jedoch schafft Brigitte Glaser es mit Leichtigkeit, dass der Leser immer im Geschehen bleibt. Sie zeichnet ihre Personen alle, auch die weniger wichtigen Neben-Personen, liebevoll und sehr markant, so dass es einfach ist, trotz (oder wegen?) der kurzen Kapitel den Faden nicht zu verlieren.

Ein Blick hinter die Kulissen des politischen Treibens in Bonn aber auch ein Blick auf viele "normale" Menschen mit ihren eigenen Empfindlichkeiten. Viele reale Personen der Geschichte und einige dazu erfundene Personen ergeben eine rundum gelungene und lesenswerte Geschichte.

Autor: Mathildis | Datum: 19.03.2019

Erschreckend!

Zwei Plots, die am Ende zusammengeführt werden, finden wir im Buch: Da ist Carl, der "Titelheld", also der sogenannte Patriot. Er sieht die Welt auf eine sehr beschränkte Weise. Als Rechtsradikaler bekämpft er gemeinsam mit zwei Freunden Journalistinnen und Journalisten, die für ein liberales Schweden in Fragen der Migration eintreten.

Zum anderen ist da August, der vor vielen Jahren nach einer Straftat aus Schweden weggegangen ist und unter anderem in der Fremdenlegion gedient hat. In Chile werden seine Frau und sein bester Freund umgebracht. Daraufhin beschließt August wieder nach Schweden zurückzugehen.

Die Journalistin Amanda ist dann die Person, in der die beiden Erzählstränge zusammen kommen. Sie ist Augusts frühere Freundin und außerdem steht sie auf der Todesliste von Carl. So kommt es dann zum spannenden Finale.

Pascal Engman bringt die Gedankengänge Carls sehr dicht an den Leser heran. Fast unbeteiligt beschreibt er, wie Carl seine abstrusen Folgerungen vorträgt, mit denen er seine Kumpane immer wieder auf seine Richtung einschwört. Erschreckend ist es an dieser irrealen Gedankenwelt Carls teilzuhaben, die für ihn und seine Gleichgesinnten einfach nur normal ist.

Ein Buch, dass die Bezeichnung Thriller zu Recht trägt. Für Leser und Leserinnen, die es nicht ganz so brutal mögen, aber nicht zu empfehlen.

Autor: Paul | Datum: 13.03.2019
Paul

Toller Erstling

Unheimlich fängt es an. Eine scheinbar "normale" Familie, Vater, Mutter und zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen. Wenn da nicht diese unheimliche Hütte wäre mit den mit Dämmplatten verschraubten Fenstern, aus der sie nicht heraus dürfen. Nur der Vater hält Kontakt mit der Außenwelt. Die Kinder und die Mutter dürfen nicht nach draußen. Der Vater übt ein strenges Regiment aus. Man erfährt, dass die Mutter nicht die richtige Mutter der Kinder ist sondern entführt wurde und zum Leben in der einsamen Hütte unter Gewalt gezwungen wird. Sie ist offensichtlich die Nachfolgerin von Lena, der eigentlichen Mutter, die vor etlichen Jahren auch entführt wurde. Was ihr Schicksal ist, bleibt zunächst mal im Unklaren.

Ich hatte den hinteren Klappentext über die Autorin vorher nicht gelesen und war erstaunt, dass dieses Buch ein Erstlingswerk ist. Es ist sehr gut gelungen. Romy Hausmann schreibt aus der Sicht der Hauptpersonen heraus. Das machen andere gestandene Schriftsteller/innen auch und lassen den Leser zu Beginn der einzelnen Kapitel erst mal im Unklaren, aus welcher Sicht das Kapitel geschrieben ist. Dieses Verfahren, das wohl angeblich künstlerisch wertvoll ist, finde ich nur schlimm. Und deshalb ist es umso toller, dass Hausmann nicht diesen Weg einschlägt, sondern die einzelnen Kapitel immer mit dem Namen der Person überschreibt, aus deren Sicht berichtet wird.

Auch den Fehler, den man oft in Debütromanen findet, dass die Autoren/innen viel zu viel an handelnden Personen, Erzählsträngen und Handlungsorten in den Roman packen, macht Hausmann nicht. Die Personenzahl und die Handlungsstränge sind überschaubar. Man findet sich immer gut zurecht.

Dabei gelingt Hausmann eine Sache ganz hervorragend, nämlich den Leser immer mal wieder in die Irre zu führen. Kaum hat man sich etwas ausgedacht, wie es wohl weiter gehen könnte, wie die Lösung des Ganzen aussehen könnte, schon geschieht etwas, was die schöne Lösung über den Haufen wirft. Toll gemacht.

Ein Debütroman ohne Anfängerfehler. Liebe Frau Hausmann, noch gerne viele weitere solche Romane.

Autor: Mathildis | Datum: 06.03.2019
Mathildis

Das Buch beginnt am 8. Mai 1986 und endet am 18. Mai 2004, dem 100. Geburtstag von Tat'ka.

Tat'ka nennt die kleine Illy ihren Urgroßvater, der zugleich ihr bester Freund und Helfer in aller Not ist. Das beginnt schon lange vor Illys Erstkommuniontag und zieht sich durch ihre Jugend und ihr Erwachsenenleben bis zum Tod des alten Mannes hin.

Elisabeth R. Hager erzählt exemplarisch von fünf Tagen, immer im Mai, an denen sich besondere Ereignisse im Leben der beiden abspielen. Aber sie geht weit darüber hinaus, denn auch das Leben des alten Mannes und seiner Urenkelin spielen eine große Rolle.

Sehr sensibel und warmherzig schildert Hager das innige Verhältnis der beiden, aber auch Probleme im Zusammenleben mit der Familie. As Illy sich in den Außenseiter Tristan verliebt, der ihrer Familie nicht gefällt, weil er trinkt und kifft und lange Haare hat, findet sie bei Tat'ka Verständnis. Und auch als ihr Glück nicht lange hält, lässt der Urgroßvater sie nicht allein.

Mir hat das Buch gut gefallen, weil es wirklich schön geschrieben ist und man sich unwillkürlich wünscht selbst einen solchen Urgroßvater gehabt zu haben. Durch die "strenge" Form, die sich an den fünf Tagen orientiert, bekommt es eine übersichtliche Struktur und ist gut lesbar.

Insgesamt ein eher ungewöhnliches und gutes Leseerlebnis!