„Motte“ wächst in „sozial schwachen“ Verhältnissen auf, wie man das früher nannte. Der Vater arbeitet in einer Fabrik, ist Alkoholiker und spielsüchtig. Deshalb schämen sich die Kinder andere Kinder nach Hause einzuladen und ziehen sich zurück. Mottes Vater kann aber auch lustig und liebevoll sein, wenn er nicht getrunken hat, aber dieser Zustand wird immer seltener. Darunter leidet die ganze Familie. Als sie erwachsen ist, greift auch Motte zum Alkohol.
Das Buch zeigt auf bedrückende Weise, welche Auswirkungen der Alkoholkonsum auf eine Familie hat. Die ganze Familie leidet wirtschaftlich und psychisch, aber man steht der Sucht des Vaters hilflos gegenüber. Trotzdem hält man zusammen, das ist alles andere als „sozial schwach“.
Lena Schätte ist in der Nähe von Lüdenscheid aufgewachsen und lebt dort noch. Besonders hat mich ihr Schreibstil beeindruckt. Sie schreibt geradeheraus, da wird nichts beschönigt, da wird nichts wolkig umschrieben. Ihre Sätze sind oft kurz (danke, Franz Müntefering, die Sauerländer können nur kurze Sätze!), aber dafür umso prägnanter. Der klare Stil trägt dazu bei, dass das Buch eine starke Wirkung auf die Leserinnen und Leser hat und das Buch direkt ins Herz geht.
Lena Schätte hat mit diesem Buch ein nicht immer leicht zu verkraftendes Buch über ein sensibles Thema geschaffen. Manchmal musste ich beim Lesen eine Pause machen, weil mich das Geschehen so berührt hat. Aber das Durchhalten hat sich gelohnt!
