„Harlem Shuffle“ von Colson Whitehead

Atmosphäre

Atmosphäre ist das Wichtige in diesem Roman in drei Teilen, die 1959, 1961 und 1964 in Harlem spielen. Der Protagonist Ray Carney ist Möbelhändler. Er versucht sich mit ehrlicher Arbeit durchzuschlagen. Aber vor allem, um seiner Frau einen angemessenen Lebensstandard zu bieten und damit bei seinem Schwiegervater Eindruck zu machen, macht Ray Carney einige krumme Geschäfte nebenher.

Die zweite wichtige Person ist Rays Cousin Freddie, der für Ray wie ein Bruder ist. Durch Freddie wird Ray immer wieder in kriminelle Machenschaften verwickelt.

Colson Whitehead siedelt seinen Roman in den 60er Jahren zur Zeit der Rassenunruhen an. Das Verhältnis der Rassen spielt eine Hauptrolle im Roman. Die komplizierten Verflechtungen und Abhängigkeiten zwischen Gangs und korrupten Polizisten, zwischen Ganoven, Hehlern und sogenannten ehrbaren Leuten werden ausführlich geschildert.

Das Wichtige ist Whitehead die Schilderung der Atmosphäre in Harlem, aus der die Rassenunruhen zwangsläufig entstehen müssen. Es ist kein Kriminalroman, bei dem ein Fall oder mehrere Fälle durch Detektive oder Polizisten aufgeklärt werden. Das Gaunertum gehört hier sozusagen zum normalen täglichen Leben. Die Schilderung dieser Atmosphäre ist Whitehead ausgesprochen gut gelungen.

Etwas Mühe macht zumindest am Anfang die Vielzahl der handelnden Personen. Aber jede Person wird ausführlich meist durch Rückgriff in die Vergangenheit vorgestellt.

Insgesamt ein lesenswerter Roman. Ein Tipp noch für den zukünftigen Leser oder die zukünftige Leserin: Bisweilen taucht im Roman eine unerwartete Situation auf und man fragt sich: Hast du da etwas verpasst? Aber keine Sorge, man hat nichts verpasst, sondern es wird jeweils alles nachgeliefert.