Jonas Winner „Der Nachlass“

Spannend aber etwas durcheinander!

Beim Nachlass, der im Romantitel gemeint ist, handelt es sich um das Erbe von Hedda Laurent, die etliche Millionen hinterlassen hat. Im Testament ist festgelegt, dass sich Ihr Mann, ihre vier Kinder, deren Partner und Partnerinnen und Heddas Bruder einem Wettbewerb stellen sollen. 27 Aufgaben und Wettbewerbe sind in den Tagen nach dem Tode zu lösen. Wer als Sieger daraus hervor geht, soll alles erben. Die Aufgaben sind zunächst harmlos, werden dann aber immer seltsamer und grausamer. Bis die ganze Situation bei den letzten Aufgaben eskaliert.

Der Plot ist genial und das Buch ist ungeheuer spannend. Die Anzahl der handelnden Personen ist einigermaßen überschaubar. Dabei hilft auch eine Familienübersicht, die dem Roman vorangestellt ist. Die Auflösung zum Schluss äußerst überraschend.

Was ich etwas unangenehm fand, ist die Tatsache, dass Jonas Winner sehr oft in den Erzählebenen hin und her springt. Das passiert nicht nur zwischen den 1960er Jahren und der heutigen Zeit. Das wäre ja sinnvoll, da sich vieles aus der damaligen Zeit auf das Heute auswirkt. Aber auch innerhalb der Jetztzeit springt Winner gern mal unvermittelt vor und zurück. Daraus ergibt sich zum Beispiel die absurde Situation, dass jemand, der am Ende eines Kapitels tot im Garten liegt, im nächsten Kapitel wieder auftritt, als ob nichts passiert wäre.

Eine „geschichtliche“ Zusammenfassung am Ende des Romans klärt die Leserin oder den Leser über die Hintergründe auf, die zu dem furiosen Ende führten. Das ist zwar nicht mehr spannend, lässt aber niemanden mit ungelösten Fragen zurück.