Juli Zeh: Über Menschen

Dora ist aufs Land gezogen. Sie brauchte dringend einen Tapetenwechsel. Aber ganz so idyllisch wie gedacht ist Bracken, das kleine Dorf im brandenburgischen Nirgendwo, nicht. In Doras Haus gibt es noch keine Möbel, der Garten gleicht einer Wildnis, und die Busverbindung in die Kreisstadt ist ein Witz. Vor allem aber verbirgt sich hinter der hohen Gartenmauer ein Nachbar, der mit kahlrasiertem Kopf und rechten Sprüchen sämtlichen Vorurteilen zu entsprechen scheint.

Geflohen vor dem Lockdown in der Großstadt muss Dora sich fragen, was sie hier sucht. Während sie noch versucht, die eigenen Gedanken und Dämonen in Schach zu halten, geschehen in ihrer unmittelbaren Nähe Dinge, mit denen sie nicht rechnen konnte. Ihr zeigen sich Menschen, die in kein Raster passen, ihre Vorstellungen und ihr bisheriges Leben aufs Massivste herausfordern und sie etwas erfahren lassen, von dem sie niemals gedacht hätte, dass sie es sucht.

Juli Zehs neuer Roman ist brillant beobachtet.  Er erzählt von unseren Schwächen und Ängsten, aber auch von unseren Stärken, die zum Vorschein kommen, wenn wir uns trauen, Menschen zu sein. Dabei gelingen der Autorin immer wieder  wunderbar witzige und entlarvende Dialoge – und entlarvt wird nicht selten die Besserwisserei der Städter.