Michael Tsokos und Florian Schwiecker „Die siebte Zeugin“

Spannung?

Ein interessanter Fall. Nikolas Nölting, ein unauffälliger Verwaltungsbeamter und Familienvater, erschießt in einer Bäckerei einen Mann, verletzt zwei weitere Kunden und lässt sich daraufhin widerstandslos festnehmen. Der Anwalt Rocco Eberhardt übernimmt den Fall, obwohl er aussichtslos erscheint, denn Mord wird mit lebenslänglich geahndet. Eberhardt ist davon überzeugt, dass der Auslöser hinter der Tat wichtig für den Prozessausgang ist. Allerdings kann er beim Herausfinden dieses Auslösers nicht auf die Hilfe von Nölting bauen, denn dieser schweigt beharrlich.

Es handelt sich um einen Justiz-Krimi, ein spezielles Genre. Da denkt man gleich an amerikanische Krimis mit Rededuellen im Gerichtssaal zwischen Anklage und Verteidigung, um die Geschworenen zu überzeugen. Für derartig spannende Szenen eignet sich das deutsche Gerichtswesen eigentlich nicht. Schwiecker und Tsokos sind vom Fach. Das merkt man. Aber sie versuchen immer wieder ein bisschen von dieser amerikanischen Gerichtsatmosphäre auf diesen Fall zu übertragen. Die Rolle der Geschworenen haben sie dabei den beiden Schöffen zugedacht. Aber irgendwie passt das einfach nicht zusammen.

103 Kapitel auf 314 Seiten, das bedeutet, das Buch ist wie ein Film, in dem man mit vielen kurzen Szenen Aktion erzeugen will. Das gelingt hier nur bedingt. Die Spannung hält sich in Grenzen. Wegen der Bezeichnung Justiz-Krimi hatte ich keine besonders ausgeprägte Spannung erwartet. Aber auch bei den Szenen außerhalb des Gerichtssaales bleibt die Spannungskurve seltsam flach und träge. Welche Lösung werden die Verfasser für diesen aussichtslosen Fall finden? Das ist die Frage, die man gern geklärt haben möchte und weshalb man weiter liest.

Alles in allem kein schlechtes Buch sondern ein Krimi, den man schnell herunter lesen kann. Gut für ein oder zwei Abende in der gemütlichen Leseecke. Die letzte Seite kann man dabei getrost beim Lesen auslassen. Da befindet sich ein Cliffhänger. Eine Sache, die ich so gar nicht mag.