Merle Kröger: Die Experten

Ein Roman mit geschichtlichem Hintergrund

Merle Kröger verarbeitet hier die wahre Familiengeschichte der Familie von Stefanie Schulte Strathaus. Elemente dieser Familiengeschichte, die von Stefanie Schulte Strathaus und Merle Kröger in jahrelanger Recherche erkundet worden sind, werden zu einem Familienroman mit geschichtlichem Hintergrund verarbeitet. Es geht um die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Im Zentrum steht die Familie Hellberg. Friedrich Hellberg ist Flugzeugingenieur. Er zieht mit seiner Familie nach Ägypten, wo er zusammen mit einigen anderen Experten für die Rüstungsindustrie von Präsident Nasser arbeitet. Auch etliche Altnazis haben dort ein Plätzchen gefunden. So zum Beispiel auch der ehemalige KZ-Arzt Dr. Eisele. Auch Hellbergs Tochter Rita findet Arbeit als Sekretärin in der Rüstungsindustrie. So ganz nebenher wird beschrieben, wie Altnazis nicht nur in Ägypten sondern auch in Deutschland ihr Schäfchen ins Trockene gebracht haben und in der neuen Bundesrepublik Kariere an wichtigen Stellen gemacht haben.

Merle Kröger hat ihr Buch in drei „Fotoalben“ aufgeteilt. Die drei Alben enthalten Bilder der Jahre von 1961 bis 1970. Zu Beginn jedes Kapitels wird ein Bild beschrieben und danach erfolgt die Schilderung dessen, was in Zusammenhang mit dem Entstehen des Fotos passiert ist. Dabei steht bei Kröger der zeitliche Ablauf an erster Stelle. Das bedeutet, dass sie oft ohne besondere Kennzeichnung abrupt von einem Ort des Geschehens zu einem anderen wechselt, zum Beispiel von Ägypten nach Hamburg, weil sich an beiden Stellen gleichzeitig etwas ereignet, was also auch gleichzeitig beschrieben wird.

Man merkt dem Buch die sorgfältige Recherche an. Das Buch schmückt sich auf dem Cover mit der Bezeichnung Thriller. Das ist der Roman jedenfalls ganz bestimmt nicht. Es ist ein Familienroman mit echtem historischem Hintergrund. Aber als solcher ist er gut. Ich weiß auch nicht, wie man vom Lektorat auf die Idee kommen konnte, dass es sich um einen Thriller handelt.

Zum Schluss noch ein Vorschlag für zukünftige Leserinnen und Leser des Buches. Es empfiehlt sich meiner Meinung nach, zunächst das Nachwort (Seiten 675 ff) und danach „Die Kairo Decke“ von Stefanie Schulte Strathaus (Seiten 649 ff) zu lesen und dann erst den Roman von vorn. So erhält man vorher einen Überblick in das Zustandekommen des Buches, der bei der Lektüre sehr von Nutzen sein kann.