Helena Adler „Die Infantin trägt den Scheitel links“

Auf der Alm da gibt’s koa Sünd´

Mit ihrem wortgewaltigen Roman zeigt die junge, in der Nähe von Salzburg geborene Autorin, dem Leser auf eine recht eindeutige Weise, dass es sündhafter nicht geht. Die allzu idyllischen Bilder, vom bäuerlichen, beschaulichen Familienleben auf der blühenden, satten Alm, wie man sie aus Heimatfilmen kennt, verblassen beim Lesen abrupt.

Das über Generationen von Gewalt geprägte Leben der Familienmitglieder und der von ihnen bewirtschaftete Hof, der seinen erbärmlichen Zustand in den Menschen, die auf ihm leben, widerspiegelt, ist kein Ort, an dem man aufwachsen möchte.

Bereits als Kind träumt die Protagonistin deshalb vom Ausbruch aus dem beengten, dörflichen Leben ohne jegliche Privatsphäre.

Von ihren Zwillingsschwestern gedemütigt, der bigotten Mutter und dem Alkohol verfallenen Vater allein gelassen, träumt sie von einem Helden, der sie an einen besseren Ort entführt.

In einigen Passagen holen kleine eingeflochtene, widererwartend liebevolle Momente, den Leser aus der stinkenden Wirklichkeit von Stalldunst und Bolzenschussgerät.

Über die Jahre zur Rebellin geworden, stellt die heranwachsende Heldin gnadenlos dar, was für den Betrachter wie ein düsteres Gemälde erscheint.

Als der verfallene Hof am Ende den Schwestern gehört „wird es still in dem riesigen Mausoleum ihrer Kindheit, dem Irrgarten der Gnadenlosigkeit“.

Es geht nicht nur um die Frage, was Heimat bedeutet. Am Ende auch darum, wie ein Leben sich verändert und welche Bedeutung es hat, Mutter zu werden und zu sein.

Was kann man über dieses Buch sagen? Außer, dass man sich nach dessen Lektüre irgendwie bedrückt, ohnmächtig und zugleich berauscht fühlt.

Schwarzhumorig, feinsinnig, aber auch brutal schafft Helena Adler ein Lesevergnügen, das seinesgleichen sucht.

Andrea Markmann