Kent Haruf „Kostbare Tage“

Sechs Romane hat der amerikanische Autor Kent Haruf geschrieben, die alle in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Staat Colorado spielen. Der 1943 in Colorado geborene, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Schriftsteller, verstarb 2014.

„Kostbare Tage“ ist ein leises Buch des Abschiednehmens, ein Buch lebenslanger Liebe, voller Weisheit und Trost. Es ist auch ein Buch über unscheinbare Alltäglichkeiten, die vom Autor in Szene gesetzt wirken wie funkelnde Diamanten.

Dabei ist die Sache an sich äußerst traurig: Dad Lewis ist 77 Jahre und erhält gleich zu Beginn des Romans die Diagnose Krebs im Endstadium. Liebevoll kümmern sich seine Frau Mary und Tochter Lorraine um den Todkranken, der mit Mary seit seinem 22. Lebensjahr in Holt lebt. In einem weißen Haus, das 1904 erbaut wurde. In einer Straße, die damals erst drei oder vier Häuser zählte. Jetzt ist der letzte Sommer für Dad Lewis gekommen in diesem Haus, in dieser Straße, in dieser Kleinstadt, die er – anders als sein Sohn Frank – nie verlassen hat. Höchste Zeit also für Dad, letzte Dinge zu regeln. Zum Beispiel das schwierige Verhältnis zu seinem schwulen Sohn Frank zu bereinigen. Die Nachfolge seiner Eisenwarenhandlung zu bestellen. Eine alte Schuld zu tilgen.

Aber nicht nur vom Sterben ist in diesem manchmal auch humorvollen Buch die Rede. Die Gemeinschaft im Ort Holt mit ihren zahlreichen, liebenswerten Nebendarstellern spielt dabei eine wichtige Rolle.

Begleitet wird der Sterbende von Frau und Tochter, aber auch von den Nachbarinnen: eine Mutter und deren Tochter (Willa und Alene), eine alte Frau (Berta) und deren Enkelin (Alice). Dann ist da noch Pfarrer Lyle, der rätselhaft zu sein scheint, aufbrausend und leidenschaftlich predigt, nachts die Leute in ihren Häusern beobachtet, was die Polizei auf den Plan bringt…

Unbedingt zu empfehlen. Unbedingt liebens- und lesenswert.

Thea Schroiff