Hilary Mantel: Spiegel und Licht

Ein Buch mit über 1000 Seiten liest sich nicht mal schnell weg, aber im Urlaub oder in Coronazeiten hat man vielleicht Zeit dafür. Die ersten Teile der Geschichte um Thomas Cromwell wurde unter dem Titel „Die Tudors“ für das Fernsehen verfilmt und auf Arte ausgestrahlt.

Der dritte und abschließende Teil der Thomas-Cromwell-Reihe konnte mich wie die Vorgängerbände „Wölfe“ und „Falken“ voll überzeugen.

Nachdem Anne Boleyn, die zweite Frau Henry VIII., hingerichtet wurde, lenkt Henrys engster Mitarbeiter Thomas Cromwell den Blick wieder nach vorn, obwohl er unter dem Tod der Königin und ihrer angeblichen Liebhaber leidet. Schnell heiratet der König Jane Seymour und Cromwell muss im Hintergrund dafür sorgen, dass das Land sicher durch alle Untiefen der Politik geführt wird. Er ist inzwischen Lordsiegelbewahrer, das bringt ihm viele Neider ein und besonders seine alten Feinde Gardiner und Norfolk können ihren Zorn nur mühsam zurückhalten. Als Jane nach der Geburt des Thronfolgers Edward stirbt, wird eine neue Frau gesucht, die auch politisch nützlich ist. Doch mit der Wahl von Anna von Kleve beginnt Cromwells Abstieg. Der König mag seine deutsche Frau nicht, er hat ein Auge auf Katherine Howard geworfen und die Norfolks versuchen das auszunutzen. So beginnt das letzte Lebenskapitel mit dem Verrat eines jungen Mannes, den Cromwell immer gefördert hat…

Wie auch schon die beiden Vorgängerbände ist auch dieses Buch hervorragend geschrieben. Allerdings ist es auch anspruchsvoll und man muss sich bei der Lektüre sehr konzentrieren. Zahlreiche Personen, die auch oft noch unterschiedliche Namen tragen (Name, Titel, Spitzname), machen das Nachverfolgen der Handlung nicht immer einfach. Es dauert einige Zeit, bis man sich wieder eingelesen hat. 

Man taucht tief in das Leben im 16. Jahrhundert ein, die Schilderungen sind plastisch und lebensnah, die Personen mit Akribie und Empathie gezeichnet. Die Recherchearbeit, die Mantel geleistet hat, kann man kaum überschätzen. Auch finde ich die Übersetzung sehr gelungen.

Beim Lesen habe ich bemerkt, dass ich gegen Ende immer langsamer wurde, denn eigentlich wollte ich nicht, dass das Buch endet. Das passiert mir selten. Man kann es nicht mit anderen „historischen Romanen“ aus der Wanderhurenklasse vergleichen, es ist viel komplexer und tiefgründiger.

Man sollte die Bücher allerdings unbedingt in der richtigen Reihenfolge nacheinander lesen.