Die Vegetarierin von Han Kang

Dieses Buch ist wirklich mal was ganz anderes. In Südkorea ist die Autorin ein Star. Sie schreibt sehr gut, man kann gar nicht aufhören. Aber sie schreibt auch unerhört, frei, skuril und irritierend. So klingt auch die Geschichte: Eine Frau wird aus mehreren Perspektiven beschrieben: die ihres Ehemannes, der sie als öde und durchschnittlich wahrnimmt, aber durchaus bequem; die ihres Schwagers, der sie als Kunstwerk und Lustobjekt sieht; die ihrer Schwester, die ihr Verhalten verpönt und abschreckt und sie zu einer Verrückten degradiert. Und was tut Yong-Hye, sodass alles ins Ungleichgewicht gerät? Nur eine Sache: Sie isst von heute auf morgen kein Fleisch mehr! Das begründet sie nur damit, dass sie Träume hat, ansonsten schweigt sie.

Allein die Szene, als ihr Vater versucht ihr gegen ihren Willen Fleisch in sie hineinzustopfen und sie sich mit dem Obstmesser das Handgelenk aufschlitzt, ist unerhört und abstoßend und faszinierend zugleich. Es ist ein Roman, der bleibt. Es ist ein Roman, der aufrüttelt. Es ist ein Schrei, der einen aufweckt.