„Die Nickel Boys“ von Colson Whitehead:

Elwood ist ein fleißiger, ehrgeiziger schwarzer Junge, der gern aufs College gehen möchte. Sein Idol ist Martin Luther King, dessen Reden er auswendig kennt. Auf dem Weg zum College gerät er in eine Polizeikontrolle und wird  – obwohl unschuldig – in die Besserungsanstalt Nickel Academy gesperrt. Dort sind in den 1960er Jahren Schwarze und Weiße streng getrennt, sie sollen auf ein verantwortungsvolles Leben in Freiheit vorbereitet werden. Elwood eckt an und wird hart bestraft, als er einem kleinen Jungen helfen will, der von anderen Zöglingen drangsaliert wird. Schnell stellt er fest, dass ihm die Reden von King nicht weiterhelfen, es herrschen Willkür und Gewalt. So versucht er möglichst unter dem Radar zu bleiben, doch er schreibt alles auf, was in der Anstalt an Unrecht geschieht. Die Lebensmittel, die für die schwarzen Jungen bestimmt sind, werden an Stadträte und Restaurants in der Stadt verkauft, die Jungen müssen unbezahlte Arbeit bei den Honoratioren der Stadt leisten. Als eine Inspektion des Staates Florida kommt, will er seine Anklage öffentlich machen. Doch das kommt nicht gut an.In einem zweiten Erzählstrang erfährt man, dass Elwood sich mit Fleiß und Energie in New York zu einem Kleinunternehmer hochgearbeitet hat, er betreibt ein Umzugsunternehmen. Als er liest, dass das Nickel geschlossen und abgerissen wurde, macht er sich noch einmal auf den Weg nach Florida, denn auf dem Nickel-Gelände wurde ein geheimer Friedhof entdeckt, dort finden Archäologen Skelette mit schwersten Verletzungen. Elwood will helfen den Toten ihre Namen zurückzugeben und die Schuldigen zu bestrafen. Doch die sind entweder tot oder erinnern sich angeblich nicht mehr.Dieses Buch ist mir sehr unter die Haut gegangen. Der alltägliche Rassismus, der auch heute noch in den USA und auch bei uns herrscht, wird hier gebündelt und entsetzt mich vollkommen. Schwarze Jungen sind nichts wert, das wird in der Academy täglich vermittelt und wenn die Jungen nicht spuren, dann landen sie buchstäblich auf dem Müll.Whitehead beschreibt viele Vorfälle nicht explizit, aber er schafft es mühelos beim Leser das Kopfkino in Gang zu setzen und das Entsetzen real werden zu lassen. Durch die verschiedenen Zeitebenen wird das Buch sehr lebendig, aber es geht sehr an die Nieren und kann schlaflose Nächte bereiten.Trotzdem ist das Buch unbedingt lesenswert!